Només mostrar
0:01
S… Speaker 2 (Studer 1)
Geht es so besser? Verstehen Sie mich so? Gut. Ich bin Marmela Studer-Karren. Ich bin seit dem 1. Oktober Professorin für zentimische Kunstgeschichte hier in Wien.
0:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und ich werde Ihnen also heute versuchen, die byzantinische Kunstgeschichte näher zu bringen. Ich werde ganz kurz eine Einführung machen, also was ist Byzanz überhaupt. Dann werde ich auch nur ganz kurz skizzieren, was meine Forschungsinteressen sind und was ich lehre. Und in einem dritten Schritt kommen wir dann zu einem Beispiel.
0:47
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dieses Forschungsbeispiel haben Sie wahrscheinlich bereits gesehen. Das betrifft natürlich die Literatur, die ich angegeben habe. Aber jetzt zum ersten Schritt. Was ist Byzanz?
1:06
S… Speaker 1 (Studer 1)
Byzanz, wie so viele dieser Begriffe aus der Epocheneinteilung, ist ein Begriff der Neuzeit, der wird im 19. Jahrhundert definiert. Und Byzanz nennt man das Oströmische Reich. Byzanz ist eigentlich das römische Reich im Osten.
1:31
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die Byzantiner selber haben sich immer als Romanoi bezeichnet, also als Lömer. Und auch ihr Land haben sie als Romania bezeichnet, also als römisches Reich. Sie haben sich immer in der Tradition des römischen Reiches verstanden und Byzanz gab es überhaupt nicht. Trotzdem sprechen wir heute von Byzanz, weil es sich irgendwo in der Wissenschaft...
1:57
S… Speaker 1 (Studer 1)
etabliert hat, aber es würde sich lohnen, diese Epochenbegriffe neu zu diskutieren. Zahns beginnt, sagen wir mal, mit 330. Wir müssen hier einen Startpunkt bezeichnen, aber es ist nicht so einfach. Nehmen wir mal an, 330. 330 am 4. Mai.
2:22
S… Speaker 1 (Studer 1)
ist Konstantin in Byzanz und weint seine Stadt ein. Seine neue Stadt, das ist Konstantinopel, also die Stadt Konstantins. Und diese Stadt, die am Rosporus liegt, ich zeige sie kurz, sehen Sie das? Genau. Und am Schwarzen Meer, also sie ist strategisch ideal gelegt.
2:52
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die wurde im siebten Jahrhundert von Pyzas, diesem legendären Feldherren gegründet. Und dann wird sie in Byzantion genannt, die Stadt. Und von da kommt dieser Begriff Byzanz, also noch aus der hellenistischen Stadt. Es wird eine hellenistische Stadt und in der Spätantike.
3:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also im dritten Jahrhundert wird sie bereits zum Beispiel von Septimus Severus ausgebaut. Also Konstantin hat sie nicht neu entdeckt. Die Stadt hatte bereits einen ziemlich wichtigen Platz bekommen. Aber Konstantin ist dann überzeugt, dass Rom nicht mehr als Hauptstadt reicht und dass er eine neue.
3:41
S… Speaker 1 (Studer 1)
einzelne Hauptstadt haben möchte. Auch da ist er nicht neu. Sie wissen alle, Konstantin ist der Sieger aus einem langen Bürgerkrieg, diesem Bürgerkrieg gegen die Detrarchie voraus und Diokletian, das ist wahrscheinlich der geniale Kopf hinter diesem Konstrukt der Detrarchie.
4:07
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diokletian führt diese Deterarchie Ende des dritten Jahrhunderts ein. Und das dritte Jahrhundert ist das sogenannte Soldatenjahrhundert.
4:21
S… Speaker 1 (Studer 1)
Rom wird an allen Grenzen bedroht. Es gibt sehr viele Barbareneinfälle, man muss sich überall am Limes wehren und es geht so weit, dass die Kaiser sehr schnell wechseln und dass eben insbesondere Rom auch nicht mehr sicher ist.
4:41
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Reich ist einfach zu groß geworden. Und nach drei Jahren, also nach dem Jahr 200, ist das Reich riesig so groß wie vorher und danach nie wieder. Und man konnte das Reich nicht mehr von einem Standort aus legieren.
5:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die besondere Rom ist eigentlich dann viel zu sehr im Westen gelegen. Die Dekrachie wird eingeführt, also 2 Augusti.
5:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
hier jetzt Diokletian und Maxentius und zwei Käsaren. Und 20 Jahre später soll das dann wechseln. Das hat dann eben nicht geklappt, weil die Söhne der Käsaren, die dann Augusti werden sollten und auch geworden sind, die wurden nicht berücksichtigt.
5:38
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also die Kurzfassung aus diesem Bürgerkrieg ging dann Konstantin 324 als Sieger hervor, als er gegen seinen letzten Feind, die Kinius, in der Dianoten die Schlacht gewinnt. Und er wird allein Herrscher des libyschen Reiches. Aber die Probleme sind dieselben geblieben. Rom eignet sich nicht mehr als Hauptstadt. Und da bestimmt er...
6:07
S… Speaker 2 (Studer 1)
Konstantinopel, also Byzantium, und dann eben neu Konstantinopel als seine Hauptstadt.
6:17
S… Speaker 1 (Studer 1)
Er weigt die ein nach altem römischen Brauch, 330. Daher steht hier diese Zahl. Dann gibt es sehr viele Wechseln. Sie wissen, der Untergang des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert, im 16. Jahrhundert gibt es im Reich.
6:38
S… Speaker 1 (Studer 1)
sehr viele politische und auch kriegerische Auseinandersetzungen, die werden dann ab dem 7. Jahrhundert natürlich in den arabischen Invasionen gipfeln. Also das Reich hat sehr viele Änderungen, es hat sehr viele Wandel, natürlich in seiner langen Zeit bis 1453.
7:03
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Reich dauert aber wirklich über 1000 Jahre und dann am 29. Mai 1453 wird Konstantinopel von Mechmed II. der Osmanischen Herrscher erobert und das ist dann das Ende des Byzantrischen Reiches. Also über 1000 Jahre, Konstantinopel ist eigentlich die einzige wirkliche Hauptstadt des Mittelalters.
7:30
S… Speaker 1 (Studer 1)
Aber wir sind im Westen 330 in der Spätantike und im 15. Jahrhundert in der Renaissance. Da sehen Sie, wie lange dieses Reich dauert, welches wir eben in der künstlichen Kunstgeschichte untersuchen werden. Also charakteristisch liegt die Hauptstadt Konstantinopel, spielt immer eine extrem große Rolle, eine höchst effektive Administration.
8:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist natürlich auch wichtig. Es hat eine immense militärische Macht. Entgegen anderen Reichen, ich nenne es einfach die Hunnen und die Perser und so weiter, wird Byzanz nicht vom arabischen Sturm erobert.
8:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
wird noch weiter existieren. Die Herrschaft ist auf den Herrscher, auf den Kaiser fokussiert. Es entsteht eine Ideologie des pezartinischen Kaisers und damit natürlich auch eine sehr reiche Hauptstadt. Das Reich hat
8:42
S… Speaker 1 (Studer 1)
enorm reiche Interaktionen mit verschiedenen Nachbarn. Das ist natürlich gegeben. Und in der Kunstgeschichte untersuchen wir genau diese Interaktionen, aber auch die Charakteristiken.
9:04
S… Speaker 1 (Studer 1)
die künstlerischen Ausdrücke, die in diesen 1000 Jahren im Oströmischen Reich entstanden sind. Also es hat sehr viele Epochen.
9:18
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ich habe diese zwei Karten hier ausgewählt. Einerseits auf der rechten Seite sehen Sie das Reich mit seinen Grenzen im Jahr 1025. 1025 stirbt Basil II. Er ist einer der wichtigsten Herrscher der mazedonischen Dynastie und es ist eigentlich, also nicht eigentlich, es ist der Herrscher der am längsten
9:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
der römischen Kaiser überhaupt, auf dem Thron saß. Er stirbt 1025 und hinterlässt dieses große Reich. Sie sehen auch noch Teile von Süditalien, gehört dazu.
10:00
S… Speaker 2 (Studer 1)
Und es geht bis heute natürlich Armenien oder im ganzen Osten der Türkei und auch noch
10:15
S… Speaker 1 (Studer 1)
Kreta und Zyprin gehören dazu. Also ganz viele Teile des Reiches gehen dann verloren. Das kann man hier ziemlich gut erkennen. Hier sehen wir noch einmal im Grau natürlich das Reich in dieser Zeit. Die rote Linie bezeichnet das Reich von Justinian I. Er ist ein ganz wichtiger
10:41
S… Speaker 1 (Studer 1)
Herrscher oder seine Zeit wird auch immer wieder in der Kunstgeschichte genannt im 16. Jahrhundert und da hat das Reich sogar noch Gebiete in Nordafrika und Ägypten und Syrien wieder zu gehören. Also das Byzantinische Reich, also die Grenzen wesseln ständig und man muss sich immer orientieren, zu welchem Zeitpunkt sprechen wir jetzt hier von der Byzantinischen Kunst.
11:10
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist sehr entscheidend. Das ist auch in meiner Forschung, wie auch in der Lehre, ein wirklich wichtiges Merkmal, dass immer die Geschichte, der historische Kontext, finde ich sehr wichtig. Wir können die Kunst nicht beurteilen und auch nicht analysieren, wenn wir diesen historischen Kontext nicht haben. Zumindest im Groben.
11:40
S… Speaker 1 (Studer 1)
Jetzt zu meinen Forschungsschwerpunkten. Das ist vor allem die visuelle Kulturgeschichte, aber auch Transformationsprozesse, insbesondere in der Spätantik.
11:57
S… Speaker 1 (Studer 1)
Bei diesen Phänomenen, wenn eben neue Begebenheiten da sind, wie zum Beispiel in der Spätantike, in der Grabkunst, wenn die christliche Kunst dann zum Beispiel die Sarkophage bestimmt, also Sarkophage, die vorher nur mit sogenannter profaner Kunst belegt waren. Ich interessiere mich auch sehr für die Herrschaftspsychographie in Byzanz.
12:24
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wie gesagt, der Kaiser ist eine wichtige Figur in der Kunst und an der Darstellung des Kaisers kann man auch sehr viel erkennen. Und dann, was mich besonders interessiert, ist die Interaktion von Bild und Raum. Es ist nicht möglich, zumindest für die byzaminische Kunstgeschichte, ein Bild.
12:51
S… Speaker 1 (Studer 1)
isoliert zu betrachten. Es ist immer wichtig, die Bilder im Raum zu sehen. Und das muss ich sagen, der hizantinische Kunstgeschichte, die meiste Recherche bezieht sich auf den sakralen Raum. Also es gibt sehr wenige Forschungsansätze, die nicht
13:14
S… Speaker 1 (Studer 1)
im sakralen Bereich angelegt sind. Die besprechen wir natürlich auch in den Vorlesungen, in den Seminaren usw. Aber auch der größte Teil ist tatsächlich im sakralen Raum. Was aber auch sehr interessant ist, also nicht nur Bild und Raum, sondern auch Landscape, also die Kirchen und Gotteshäuser usw., wie sie sich in einer Stadt,
13:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
urbanen wie auch in den landschaftlichen Raum einfügen. Ich sage natürlich, besonders wenn wir jetzt vom Raum sprechen, ist es immer so, dass Architektur und Fotografie ineinandergreifen. Also es ist mir auch wichtig in der Lehre, dass man diese Aspekte miteinander verbindet.
14:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und schlussendlich ergibt sich daraus eine Mischung, die es uns möglich macht oder die eigentlich diesen interessanten Aspekt aufzeigt, wenn ich in einem Kirchenraum bin, wenn ich ein Bild habe oder verschiedene Bilder. Ich meine, die byzantinische Kunst zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass wir sehr viele reiche, ausgeschmückte Kirchen haben.
14:40
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und wie haben diese Bilder im Raum funktioniert? Und dafür brauchen wir natürlich den Ritus, die Liturgie, die uns da ganz wichtige Anhaltspunkte gibt, um diese Bilder zu verstehen. Aber nicht nur Funktion, sondern auch...
15:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wie hat der Betrachter, derjenige, der zeitgenössische Betrachterin, diesen Raum erfahren? Das ist ein ganz wichtiger Aspekt und diesen Aspekt werden wir heute auch mit unserem Beispiel besprechen.
15:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und dann ein Forschungsschwerpunkt von mir ist auch Georgien, also Georgische Kunst und Kultur im mittelalterlichen Kontext. Aber in der Lehre, das muss ich betonen, gehe ich natürlich nicht so auf spezifische Forschung ein.
15:41
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wir machen dann eben nicht Georgien, sondern es ist mir sehr wichtig, eine breit abgestützte Forschung zu vermitteln, also die Grundlagen, und dann eher natürlich bei Seminaren oder auch bei Fallstudien in ein spezielles Themengebiet anzugehen.
16:09
S… Speaker 1 (Studer 1)
Vielleicht noch zu den Vorlesungen. Es ist erst jetzt meine zweite Vorlesung, weil es erst mein zweites Semester ist. Aber ich habe mich entschieden, folgendes Schema zu verfolgen. Im Herbst möchte ich jeweils eine Übersichtsvorlesung machen. Ich habe letzten Herbst begonnen.
16:34
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ich habe dann eine Vorlesung gegeben zur mazedonischen Dynastie, also nur einen Teil der byzantinischen Kunstgeschichte vorgestellt. Der Vorteil war diese Übersicht, einen sehr guten Einblick in die byzantinische Kunstgeschichte, verschiedene Medien.
16:56
S… Speaker 1 (Studer 1)
und man kann auch ganz viele Forschungsmeinungen, Methoden und so weiter besprechen. Im Frühlingssemester, jetzt, habe ich dann eher ein Spezialthema ausgewählt. Momentan lese ich zur mittelalterlichen Kunstgeschichte in Serbien.
17:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Serbien wird ab dem Ende des 11. Jahrhunderts ein Königreich und sehr stark in Interaktion treten mit Byzanz. Und weil eben Byzanz ab 1204, also die Konstantinopel 1204, von den Lateinen, allen voran von Benedikt, erobert, beim vierten Kreuzzug, und dann fehlt uns.
17:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
mehr als ein halbes Jahrhundert Kunstgeschichte in Byzanz. Und diese Künstler gehen ins serbische Königsreich und betrachten in der Vorlesung momentan vor allem Himalerei und die Kunst des 13. Jahrhunderts in Serbien und eben auch diese Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen Reichen.
18:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
Gut, jetzt möchte ich gerne zum heutigen Thema kommen. Und Sie haben einen Aufsatz bekommen über Walking through the Nartex to Write in der Chora. Den habe ich 2022 geschrieben, also das Buch ist Ende 2023 erschienen.
18:38
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ich habe das Buch herausgegeben als Biography of a Landmark. Dieses Buch nähert sich dieser Chora Kirche.
18:49
S… Speaker 1 (Studer 1)
aus einer transkulturellen Perspektive, indem es ihre kontinuierlichen Transformationen in Form und Funktion von der Spätanstiege bis in die Gegenwart nachzeichnet. Also die Chorakirche, ich werde sie gleich vorstellen, das ist wohl eine der wichtigsten Kirchen der bizantinischen Kunst.
19:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie wird oft als der Höhepunkt, quasi der byzantinische Kunst, bezeichnet. Sie werden sich gleich selber ein Bild dazu machen können und können es sicher dann auch nachvollziehen. Aber 20, 21 im Zuge...
19:30
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diese Reformation unter Erdogan wurde auch diese Kirche geschlossen. Also nicht nur die Hagia Sophia wurde im November 2021 geschlossen. Zuvor war es ganz lange Zeit, da war es ein Museum. Und die Kirche war jetzt lange zu, mehr als drei Jahre und ist jetzt erst wieder seit Ende 2024 offen.
20:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es ist eine Moschee, genau wie die Hagiosophia. Während den Gebetzeiten kann man die Kirche nicht besuchen, aber die Kirche ist komplett zugänglich, wenn es keine Gebetzeiten gibt. Also es gibt eigentlich keine Einschränkungen anders als in der Hagiosophia in Konstantinopel.
20:25
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Ergebnis dieses Projekts war eigentlich die Analyse der langen und vielfältigen Geschichte dieses Gebäudes sowie auch der Komplexität, die jede Phase seiner Entwicklung begleitete. Auch hier ist ganz wichtig, dass wir ein Gebäude, eine Kirche nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachten, sondern eben ihre lange Geschichte.
20:51
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und heute werde ich mich aber vor allem diesem, also trotzdem einen Zeitpunkt zuwenden, nämlich dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, also Beginn des 14. Jahrhunderts. Die Kirche wird aber bereits in der Spätantike, also sicher im fünften, spätestens im 16. Jahrhundert, steht an diesem Ort ein Schrein.
21:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Eine kleine Kapelle. Auf alle Fälle war dieser Ort bekannt. Das ist ganz wichtig zu betonen. Und ich habe ihn hier auch eingezeichnet. Das ist die Karte von Konstantinop. Vielleicht wenn wir ganz kurz darauf zurückkommen. Die hellenistische Stadt, die war ungefähr hier. Hier war ursprünglich die Akropolis.
21:46
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also nur an diesem goldenen Horn, sogenannten goldenen Horn. Und es gab bereits eine Stadtmauer. Das Gebiet ist sehr einfach zu verteidigen, weil die gesamte Küste, also die gesamte Seeseite, kann man eigentlich nicht einnehmen. Es ist sehr schwierig, weil es sehr...
22:14
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also kein Zugang zu dieser Landzunge und alle Häfen, die sie sehen, die müssten auch angeregt werden, weil es eben abrupte Fälle gibt. Und Konstantin hat dann seine Stadt gegründet und ich habe es gesagt, nach Baganer Ritus. Das heißt, er hat eigentlich hier diese...
22:42
S… Speaker 2 (Studer 1)
Die Stadtmauer ist ja abgelaufen, damit wurde die Stadt um einige Hektar grösser.
22:53
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und diese Stadtmauer genügt schon relativ schnell nicht mehr, weil natürlich die Elite des Weströmischen Reiches ist nach Konstantinopel gekommen. Und 415 wurde diese zweite Stadtmauer hier eingeweiht unter Theodos II.
23:22
S… Speaker 1 (Studer 1)
also 415 etwa und das ist die Stadtmauer, die 1000 Jahre halten wird. Also diese Stadtmauer wurde natürlich immer wieder menubiert, man hat einige Teile noch hinzugefügt, insbesondere hier in der nördlichen Ecke, aber im großen Ganzen hat diese Stadtmauer über 1000 Jahre auch
23:52
S… Speaker 1 (Studer 1)
Aber man sieht große Teile der Stadtmauer heute noch, also man kann auch darauf spazieren gehen, das ist wirklich eine Ingenieur, eine Glanzleistung. Das Äquadukt von Valens, Sie wissen, Valens drittes Jahrhundert, das ist also auch schon relativ alt, aber das bringt mich gerade noch auf einen anderen Gedanken, den ich unbedingt sagen muss.
24:18
S… Speaker 1 (Studer 1)
Konstantinopel hat kein eigenes Wasser. Das heißt, es gibt keine Quellen und das Wasser, das Trinkwasser, muss von weit her aus Drachen nach Konstantinopel gebracht werden. Daher gibt es in Konstantinopel sehr große Zisternen, die sind sehr bekannt.
24:39
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das haben Sie wahrscheinlich auch schon gesehen. Wir vergleichen die Zisternen dann oft in der Architektur, genau diese Infrastruktur, die hier schon sehr früh, also auch unter Konstantin, die große Zisterne, die ist ungefähr hier, die sogenannte Basilika-Zisterne gebaut.
25:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist sehr beeindruckend. Die Hagiosophia befindet sich hier. Sie sehen auch das Hypodrom, das wird auch von Centinos Severus bereits in 20 Jahrhundert gebaut. Und das begrenzt eigentlich
25:23
S… Speaker 2 (Studer 1)
den Palast. Dieses Gebiet ist der pzantinische Palast.
25:32
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dort werden dann auch während des Jahrhunderts verschiedene Bauten errichtet. Heute kann man dort nicht mehr glauben, es ist komplett überbaut und der Palast ist archäologisch sehr schlecht erforscht. Wir haben aber mehrere Texte, also man hat sogenannte Beschreibungen des Palastes oder auch irgendwelche
25:59
S… Speaker 1 (Studer 1)
Pilger und Botschafter, die hier waren, die über den Palast geschrieben haben. Und so ergibt sich dann ein Bild davon. Aber archäologisch haben wir praktisch keine Forschung dazu. Das ist ein wichtiger Teil von Konstantinopel. Dann ist hier das Milion. Das Milion, das ist ein Grenzstein, den gab es schon in
26:25
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Milion bezeichnet eigentlich den Nabel der Welt. Von hier aus wird die Distanz zu einem anderen Ort gemessen. Das ist in Konstantinopel bis ins 19. Jahrhundert der Fall. Noch im 19. Jahrhundert beschreiben Besucher, die nach Konstantinopel kommen, das Milion als den Nabel der Welt. Das steht genau hier am Beginn.
26:52
S… Speaker 1 (Studer 1)
also vor dem Hippodrom und hier vor dem Beginn dieser Paradestrasse. Also Hippodrom vielleicht noch kurz, das ist der einzige Ort, an welchem der Kaiser vor dem Volk präsent ist. Natürlich wird er in Prozessionen teilnehmen oder auch in einer...
27:17
S… Speaker 1 (Studer 1)
Pfeil in der Hallosophie und so weiter, aber da ist er natürlich immer sehr weit weg. Im Hippodrom kann man den Kaiser direkt
27:28
S… Speaker 1 (Studer 1)
entweder kenntlich machen, ob man ihn unterstützt oder nicht. Das ist der Ort, an welchem das Volk und der Kaiser aufeinandertreffen. Daher ist dieses Hippodream, die Grenze zwischen dem Palast und dem öffentlichen Raum. Jetzt hier zur Paradestrasse, das ist diese Straße, die dann hier hinunter geht. Das ist die sogenannte Mese, eigentlich wie Mitte.
27:52
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und das ist die Triumphstrasse. Dort werden auch die Kaiser, wenn sie nach einem vegetarischen Triumph zurückkommen, ihren Zug gehalten haben.
28:07
S… Speaker 1 (Studer 1)
Hier unten sehen Sie Portore, das ist die Porta Aurea, also die goldene Pforte, die wird nur für den Triunfeinzug benutzt. Und die Straße, die hier ankommt, ist die Via Egnatia. Die Via Egnatia ist die wichtigste Handels- und Militärstraße in Rom. Die geht von Tyrachium.
28:36
S… Speaker 1 (Studer 1)
von der West, also von der heutigen Kroatien, einmal quer durch den Balkan, durch zum Beispiel Philippi Tessaloniki oder umgekehrt zuerst Tessaloniki Philippi und wird dann 330 bis nach Konstantinopel gebaut, um eben hier dann an der Stadt zu enden.
29:02
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also hier haben Sie natürlich eine Distanz zwischen der Konstantinischen und der Diodosianischen Mauer. Und man muss sagen, zuerst war hier wahrscheinlich Feld. Wir können das so nachvollziehen, weil hier relativ viele Friedhöfe stationiert oder gebaut wurden, die natürlich extra muros waren. Und in diesem Raum
29:30
S… Speaker 1 (Studer 1)
gab es auch diese kleine Kirche. Chora heißt eigentlich Feld. Das ist das griechische Wort für Feld. Und diesen Namen behält sie aber, die Chorakirche, die ist also außer, also ganz in der Nähe der theodosianischen Mauer. Und sie wird auch relativ wichtig gewesen sein, weil Maria Dukaina wird hier eine erste Kirche bauen. Ich komme dann gleich noch zu dieser Kirche zurück.
30:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und ihr Enkel, der Sebastokrator Isaak Homenos, baut diese Kirche aus. Also er restauriert eigentlich diese Kirche, kann man sagen. Er verschönert sie noch. Ich zeige Ihnen auch gleich die Kirche. Und wir sind jetzt hier, also Anfang des 12. Jahrhunderts. Isaak Homenos stirbt 1054.
30:29
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die Kirche bleibt sicher wichtig, aber wie gesagt, 1204 kommen die Lateiner nach dem vierten Kreuzzug nach Konstantinopel. Die Stadt wird während drei Tagen komplett geplündert. Sehr viel wird zerstört, sehr viel wird gestohlen. Das wissen Sie, es gehen sehr viele Güter zu diesem Zeitpunkt in den Westen. Und die Kirche gehört wahrscheinlich auch dazu.
30:57
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dann beginnt die lateinische Herrschaft in Konstantinopel, das ist zwischen 1204 und 1261. 1261 erobert Michael VIII die Palärogos, das ist dann einfach eine neue Dynastie nach den Komenen, die Stadt zurück.
31:21
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das bedeutet, dass das Byzantinische Reich oder die Kaiser wieder Konstantinopel sind und das Byzantinische Reich wird dann noch einmal von 1261 bis 1453 dauern.
31:38
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und zu diesem Zeitpunkt, so müssen Sie sich das vorstellen, ist die Stadt eigentlich eine Ruine. In Lateinen war es unmöglich, also es waren auch zu wenige Leute da und da, diese Stadt wieder aufzubauen. Und man muss, also eines der Haupt...
31:58
S… Speaker 1 (Studer 1)
Der Hauptziel des neuen Kaisers war es, diese Stadt wieder aufzubauen. Und er macht das folgendermaßen. Er wird viele seiner hochrangigen Aristokraten beauftragen, ein Quartier zu renovieren.
32:22
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie bekommen ein Quartier für ihre Familie überschrieben. Die Aufgabe besteht darin, dass man dieses Quartier aus eigenen Mitteln aufbaut. Man kann es an ganz verschiedenen Orten in Konstantinopel beobachten.
32:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also die Kirche, also das Quartier wird wieder aufgebaut und meistens gehört zum einen Quartier natürlich auch eine Kirche und die Kirchen werden dort dann renoviert. Und einer dieser Aristokraten ist eben Theodor Metohites. Theodor Metohites ist unser Kthetor. Kthetor ist einfach das griechische Wort für Stifter.
33:10
S… Speaker 2 (Studer 1)
Das ist der Stift der Chorakirche.
33:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Nur so zur Geschichte. Jetzt schauen wir eigentlich meistens in die Kirche, also nur noch ganz wenig dann außerhalb. Sie sind hier in Rot eingerahmt. Das sind alles Bauteile, die Theodor Vetochitis anfangs des 14. Jahrhunderts der ursprünglichen Kirche hinzufügt.
33:42
S… Speaker 1 (Studer 1)
Der Naos, das heißt einfach das Hauptschiff einer Kirche, mit den beiden die Prothesis und das Diakonikon gekommen. Es gibt in der byzantinischen Kunstgeschichte, insbesondere in der Architektur, einige Begriffe, da muss man sich ein bisschen daran gewöhnen, aber es ist übrig.
34:05
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es ist nicht überschaubar, es ist nicht so, dass es extrem schwierig ist, aber die kommen einfach immer wieder vor. Die Prothesis, das ist eigentlich...
34:18
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es ist immer im Norden, das Bema, das Sanktuarium, das ist der wichtigste Ort der Kirche. Und die wird von zwei kleinen Räumen, die jeweils auch eine Absis haben, flankiert. Im Norden eben die Prothesis. Die Prothesis ist sehr entscheidend für die Liturgie. In der Prothesis wird die Liturgie vorbereitet.
34:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also zum Beispiel das Brot, das man dann bei der Liturgie braucht, wird hier vorbereitet, werden hier verschiedene Gebete gesprochen und die Prothesis spielt eine sehr wichtige Rolle für die Prozession. Kommen wir gleich darauf zurück.
35:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Diakonikon ist eigentlich wie eine Sakristei. Dort werden die Gewänder aufbewahrt, dort wird das liturgische Geschirr aufbewahrt und das Diakonikon spielt bei einer Liturgie eigentlich keine Rolle.
35:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie sehen das auf dem Plan auch ganz einfach. Das BEMA hat keine Verbindung zum Diakonikon und dagegen gibt es eine Verbindung zwischen dem Prothesis und dem BEMA.
35:33
S… Speaker 1 (Studer 1)
Genau, also das ist der Grundplan so quasi. Es ist eine Kreuzkuppelkirche, sie hat einfach sehr kurze Arme, aber die Architektur ist typisch für den Anfang des 12. Jahrhunderts, so dass wir davon ausgehen müssen, dass... oder Ende des 12. Jahrhunderts, Anfang des 12. Jahrhunderts, so dass wir davon ausgehen müssen, dass eben...
35:56
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ducaina ist die Mutter von Alexios I. Comenos. Das ist derjenige, der die neue Dynastie 1081 gründet. Maria Ducaina hat diese Kirche
36:13
S… Speaker 1 (Studer 1)
und Isakovenos hat dann diese Kirche noch einmal renoviert und ausgeschmückt. Und Theodor Metokites wird sie dann noch einmal renovieren, also der innere Raum ist heute so erhalten, wie aus dem 14. Jahrhundert, aber was er macht ist,
36:37
S… Speaker 1 (Studer 1)
die Kirche noch zu vergrössern. Und da haben wir verschiedene Räume und wir werden uns heute nur diese beiden Räume hier ansehen. Also der Esonartex und der Exonartex.
36:51
S… Speaker 1 (Studer 1)
Jetzt, also zuerst, ich komme auf diesen Raum dann speziell noch zurück, weil wir brauchen ihn dann eben auch für die Prozession. Diesen Raum wissen wir nicht, was er eigentlich für eine Funktion hatte. Er wird immer als nördlicher Anbau bezeichnet, wie Sie hier sehen. Er hat hier eine Treppe und er ist zweigeschossig. Und das Obergeschoss ist nur über diese Treppe hier erreichbar.
37:22
S… Speaker 1 (Studer 1)
Aber man hat keine Angabe. Aber ich zeige Ihnen gleich Fotos, dann können wir es besser nachvollziehen. Dann haben wir den anderen Großen im Süden. Das ist das Paraklesium. Ein Paraklesium ist eigentlich eine Grabkapelle. Und tatsächlich wurde Metochitis auch hier begraben. Er stirbt 1331.
37:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und er wird hier in diesem Pariklesium beerdigt werden. Sie sehen, es gibt auch viele Gräber, allerdings sind viele dieser Gräber, insbesondere auch die Sie hier unten sehen im Exonartex, später noch eingefügt worden. Also die Kirche war während einer langen Zeit ein beliebter Ort, um sich beerdigen zu lassen. Es gibt sogar noch aus osmanischer Zeit.
38:15
S… Speaker 2 (Studer 1)
Das werden wir uns heute auch nicht ansehen können.
38:19
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wir werden uns vor allem mit diesen beiden Räumen beschäftigen. Das ist einerseits der Esonartex und andererseits der Exonartex. Vielleicht jetzt noch zuerst zur Datierung. Und hier beziehe ich mich auf die Studie von Kosti Smirlis.
38:48
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die ist 2022 in der Revue des Etudes Byzantines erschienen und da hat er nachgewiesen, er ist die Historiker, anhand von Textquellen, dass Theodor Meclochites zwischen 1313 und 1317, genauer kann man es nicht sagen, einen Titel bekommen hat, nämlich Megas.
39:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Logothetes, das ist ein sehr wichtiger Titel in der byzantinischen Administration. Eigentlich ist es dann der zweitwichtigste Mann nach dem Kaiser der Vegas. Logothetes, also er ist eigentlich der Schatzmeister des byzantinischen Reiches gewesen und dieser Titel wird nicht genannt in Chora.
39:41
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und daher muss man davon ausgehen, dass die Chorakirche vor 1317 ausgeschmückt wurde. Theodorometochitis ist dargestellt in der Chorakirche. Aber das spielt für uns auch eine kleinere Rolle, einfach, dass Sie wissen, warum man auf diese Datierung...
40:08
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wir werden jetzt trotzdem noch einmal die politische Dimension berücksichtigen, das kurz ausführen, bevor wir das Monument selbst betrachten.
40:26
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wie ich schon gesagt habe, die Neugrundung der Chorakirche ist ein Teil des Projektes der ersten paläologischen Kaiser, die Hauptstadt eben wieder zu ihrem früheren Platz zurückzuführen. Diese Chorakirche gehört genau in diese Tradition, wie ich das vorher schon erklärt habe. Smirlis hat auch darauf hingewiesen, dass
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S… Speaker 1 (Studer 1)
von Benochtes als wohlhabenden kaiserlichen Beamten erwartet wurde, aufgrund seiner Stellung und seines Reichtums an diesem Vorhaben teilzunehmen. Das wurde von ihm erwartet, aber gleichzeitig.
41:07
S… Speaker 1 (Studer 1)
bot ihm die Chorek oder diese Renovation dieser Kirche auch die Möglichkeit, sich selbst an die Spitze der Hierarchie zu etablieren. Also es ist natürlich immer so ein Geben und Nehmen, aber es ist interessant, das an diesem Monument nachzuvollziehen.
41:26
S… Speaker 1 (Studer 1)
Neben diesen soziopolitischen Komponenten spielte auch die zeitgenössische Religionspolitik eine ganz wichtige und eine ganz bedeutende Rolle. Und das muss ich sagen, weil das Programm der Chora bezieht sich auch oft darauf.
41:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und das Programm ist eigentlich das Ergebnis einer der ersten großen Kampagnen einer kirchlichen Ausstattung in Konstantinopel nach der Wiederherstellung der Orthodoxie. Jetzt fragt man sich natürlich, was ist das? Also es gibt ein zweites Konzil in Rio und es gibt das große Schisma, ich muss es kurz ausführen.
42:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
nur ganz so oberflächlich. Die orthodoxe und die katholische Kirche trennen sich 1054. Es gibt dieses Schisma, das besteht bis heute. Aber natürlich in der Folgenzeit, insbesondere in militärischen Notlagen, hat das Byzantinische Reich, also der Osten, immer wieder im Westen angeboten, dieses Schisma zu überbrücken.
42:37
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also das heißt, dass man sich einigt wird in religiösen Fragen. Leo im zweiten Konsil 1284 hat eine erste Phase schon mal wieder beendet.
42:51
S… Speaker 1 (Studer 1)
Zunichte gemacht, also Andronikus II, das ist der Kaiser zu dieser Zeit, hat sich ganz klar gegen die Forderungen der weströmischen Kirche ausgesprochen. Und das ist interessant, also sein Vater Michael VIII, das ist eben derjenige, der Konstantinopel 1261 zurückerobert hat und ab 1282 wird Andronikus Kaiser.
43:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und Michael VIII hat diese Annäherung durchaus in Betracht gezogen, also er hat sich eine Annäherung an die Weströmische Kirche, davon hat er sich einiges versprochen, insbesondere auch in militärischer Unterstützung.
43:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Militärische Unterstützung, aber Andronicus II. hat diesem Vorhaben ganz klar eine Absage erteilt und man kann also dieses Programm auch als orthodoxes Statement verstehen. Das einfach jetzt auch vorweg.
44:02
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also quasi als Reaktion auf diese Unionsbestrebungen des Zweiten Konzils in Lyon. Sie werden sehen, die Bilder vermitteln die traditionellen Themen der byzantinischen Orthodoxie und betonen insbesondere auch die orthodoxe Liturgie. Und das meine ich eben, dass wir das Bild nicht nur betrachten können, das ist die Ikonografie, sondern diese Bilder müssen in diesem...
44:28
S… Speaker 1 (Studer 1)
politisch-religiösen Kontext verstanden werden. Und natürlich, schlussendlich werden diese Räume durch ein liturgisches Ritual belebt. Da sind vor allem die Prozessionen zu nennen. Wir werden die uns heute also ansehen.
44:51
S… Speaker 2 (Studer 1)
Das wichtigste Element des bizantivischen Ritus ist die sogenannte göttliche Liturgie. Die göttliche Liturgie
45:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
ist die Hauptliturgie sozusagen und diese göttliche Liturgie wird durch zwei Prozessionen gekennzeichnet.
45:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wir werden nicht zum Beispiel Texte und so weiter lesen oder die Texte auch besprechen, sondern es geht darum, wo ist man durchgelaufen? Wie sind diese Prozessionen vonstattengegangen?
45:31
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diese Prozessionen kann man in den einzelnen Räumen nachzeichnen und dadurch ergeben sich dann Verbindungen, die dabei sichtbar werden, so wie auch die Bedeutung des Bildprogrammes sichtbar wird. Das ist ein bisschen dieser Kontext.
45:54
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also wir betrachten den architektorischen Rahmen und das Zusammenspiel mit der visuellen Rhetorik. Und das ist sehr wichtig in der byzantinischen Kunstgeschichte. Das ist mir eben auch wichtig in meiner Forschung. Und die Chorakirche, dass sie eine der wichtigsten Kirchen ist in der byzantinischen Kunstgeschichte, eignet sich sehr gut, um ihr das exemplarisch zu zeigen.
46:22
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also es geht vor allem um Prozessionen, um den Ritus, der in diesem Raum vollzogen wurde. Gut, in diesem Zusammenhang vielleicht besser, richtet sich besonders die Aufmerksamkeit natürlich auf die beiden Zugänge der Kirche. Also wie ist man überhaupt, also unter Eingänge, wie ist man überhaupt in die Kirche gekommen. Und es gibt zwei Eingänge.
46:53
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die unterscheiden sich, wie Sie gleich sehen werden. Die werden von zwei verschiedenen Gruppen benutzt. Ich möchte kurz zuerst diese Gruppen definieren, obwohl es ein bisschen schwierig ist. Eine Gruppe ist natürlich der Klerus. Wir wissen nie genau, wer dort war, zu welchem Zeitpunkt. Daher nennen wir einfach Klerus, natürliches Gabel.
47:16
S… Speaker 1 (Studer 1)
Korah war die Hauptkirche eines Klosters, das habe ich vergessen zu sagen. Also es gibt eine Klostergemeinschaft und die Mönche nehmen an dieser Liturgie natürlich teil, aber es gibt immer einen Priester, der natürlich diese Liturgie vorsteht. Und die zweite Gruppe ist die Gemeinde.
47:42
S… Speaker 1 (Studer 1)
Auch die Gemeinde können wir nicht genau bezeichnen oder nicht genau definieren. Wir müssen einfach denken, der Stifter gehört zu dieser Gruppe. Und der Stifter, also Theodor Metokites, hat hier ganz in der Nähe einen Palast. Das wissen wir, ganz in der Nähe gab es ein Gebäude, das war sein Wohnraum.
48:11
S… Speaker 1 (Studer 1)
sein Palast und wahrscheinlich eben auch die Personen, also die Bewohner, besser gesagt aus diesem Quartier nahmen an diesem Ritus teil. Gut, und der Ritus, also den Namen an dieser Liturgie teil und der erste Teil der Liturgie ist also, wie kommt man in die Kirche. Diesen Teil nennt man den kleinen Einzug.
48:37
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also wir werden jetzt, wenn wir von der Liturgie sprechen, ist unser Hauptanliegen der kleine Einzug und der große Einzug. Wir werden viele dabei nicht besprechen, das ist auch nicht so wichtig, sondern im kleinen Einzug geht es darum, wie die Gläubigen überhaupt in die Kirche kamen, durch welchen Zugang. Und im großen Einzug geht es darum, wie die Gläubigen überhaupt in die Kirche kamen, durch welchen Zugang.
49:05
S… Speaker 1 (Studer 1)
das Brot in den Altarraum gebracht wurde. Hier noch ein Klick in den Naus, das habe ich vergessen. Das ist der Raum, den wir genau in diesen Raum hinein schauen.
49:30
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie sehen, es ist sehr reich mit Marmor ausgestattet. Wir haben auch hier zwei Mosaiken. Die gehören aber alle in die Zeit von Metochitis. Und das ist das Paraklesium. Das Paraklesium wurde mit Fresken ausgemalt. Und wir werden uns das nicht ansehen können heute. Es würde viel zu lange dauern. Also hier schauen wir genau so hinein. Also wir praktisch hier machen so das Vorbild.
50:00
S… Speaker 2 (Studer 1)
Dieses Paräklesium, also dieser Raum, das Paräklesium, eben die Grabkapelle, die wurde mit Fresken ausgeschmückt. Und das Inodetta ist ganz bekannt, ist der östliche Abschluss, diese Absis mit der Darstellung der Anastasis. Die Anastasis ist Christus, der in die Hölle fährt, um die Gerechten aus der Hölle zu holen.
50:29
S… Speaker 2 (Studer 1)
Und auf diesem Gewölbe ist das letzte Gericht dargestellt. Das ist auch eine sehr, sehr bekannte Darstellung der byzantinischen Kunst. Aber das werden wir uns heute nicht ansehen können. Und jetzt eben zu den Eingängen. Hier betrachten wir die Kirche von der Südseite. Und das war der Haupteingang. Das wäre hier.
50:55
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und hier, weil wir wissen, das war der Haupteingang, also man muss auch sagen, auf dieser Seite war auch der Palast von Metochitis gelegen. Der Eingang ist besonders hervorgehoben durch diese Struktur. Wir haben diesen Turm, also heute ist es ein Minarell, aber ursprünglich war es auch schon ein Turm, weil man braucht diesen Turm oben.
51:24
S… Speaker 1 (Studer 1)
in die zweite Etage des Exo-Nartex zu gelangen. Und Sie sehen, hier gibt es Monogramme, in diesem Detail davon, und die Monogramme ziehen sich auch in Stifte. Von daher kann man aus dieser Struktur sehr schön erkennen, dass hier das Volk, wo die Gemeinde zur Kirche kam. Und der andere Eingang,
51:50
S… Speaker 1 (Studer 1)
eben für die Klerus, war genau auf der anderen Seite, nämlich auf der Nordseite. Also auch hier gibt es einen Haupteingang und sehen Sie hier die Kirche in ihrem Kontext. Vom Kloster selber ist nicht mehr viel erhalten geblieben. Wir können ungefähr schauen.
52:12
S… Speaker 1 (Studer 1)
wo sich die Trapeza gefunden hat. Die Trapeza ist das Refektorium und in meinem Kloster ist das Refektorium immer in der Nähe der Hauptkirche, weil man vom Essraum direkt in die Kirche geht oder auch umgekehrt. Dieser Eingang hier hat den Mönchen oder dem Klerus eben erlaubt, direkt in die Kirche zu kommen.
52:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Als erstes ein Hinweis. Dann kommen wir kurz zur Architektur. Sie sehen den Esonartex, er hat vier Kompartimente, die sind alle unterschiedlich groß, hoch und weit. Also alle vier Kompartimente, die sind auch angeschrieben beim Esonartex, sind sehr verschieden. Das habe ich vergessen zu sagen, Esonartex und Exonartex.
53:11
S… Speaker 1 (Studer 1)
Esonartex ist der innere und Exonartex der äußere Vorraum. Das sind die Räume, die im Westen einer Kirche vorgelagert sind, bevor man in den Hauptraum kommt. Wie gesagt, der Hauptraum ist das Hauptschiff, das ist der Laus. Aber in einer byzantinischen Kirche braucht es mindestens einen Nartex, weil dort verschiedene liturgische Riten.
53:38
S… Speaker 1 (Studer 1)
durchgeführt werden und insbesondere die Katechulenen, also diejenigen, die sich auf die Taufe vorbereiten, die können im Nartex bleiben, aber noch nicht in den Naus kommen. Und von daher gibt es diese Vorhalle. Bei großen Kirchen und vor allem auch für Klöster ist dann meistens eben diese Vorhalle aufgeteilt in einem inneren, einem äußeren Nartex.
54:06
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und vielleicht auch die Zugänge. Beim Esonartex gibt es verschiedene Türen, die sind auch alle komplett asymmetrisch. Wir werden sie dann gleich noch erklären. Und der Esonartex bildet ein L, also geht einmal hier um die Ecke und hat sieben Kompartimente, auch die sind unterschiedlich groß.
54:33
S… Speaker 1 (Studer 1)
Hier ein Blick auf die Westfront. Hier sind wir genau hier. Das Bild ist genau von dieser Seite. Ich glaube, da können Sie gut erkennen, dass der Exonartex ursprünglich ein Porticus war. Ich finde, auf der Zeitung sieht man es fast noch besser.
55:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diese Arkaden wurden dann zugemauert, als hier die Gräber eingefügt wurden. Das ist aber zum größten Teil noch im 14. Jahrhundert passiert, also relativ schnell nach der Gründung der Kirche, eben als 10, 20 Jahre später dann diese Gräber hier angelegt wurden, hat man den Portikus geschlossen. Also der Exonartex war ursprünglich
55:29
S… Speaker 1 (Studer 1)
gegen Westen offen. Aber das nur als Hinweis. Dann kommen wir noch einmal zurück zu diesem nördlichen Teil, also diesem nördlichen Raum. Hier befinden wir uns unten, in der unteren Etage. Und zwar sind diese Nischen hier an dieser Wand.
55:57
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist die Türe in die Prothesis. Da kann man natürlich nicht.
56:05
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie sehen, heute ist das der Gebetsraum der Frauen. Daher konnte ich dort hinein dieses Foto machen. Das ist der Gebetsraum der Frauen. Und die obere Etage kann man natürlich nicht. Hier gibt es dann diese Treppen. Und im oberen Raum habe ich ein altes...
56:29
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ein altes Bild von Robert Osterhut, das ist die wichtigste Angabe, wenn es um die Architektur der Chorakirche geht. Der obere Raum hat sehr hohe Fenster, sehr nicht durchflutet und Theodor Metokites wird hier wahrscheinlich seine Bibliothek gehabt haben.
56:55
S… Speaker 1 (Studer 1)
ein sehr intellektueller Beamter. Wir haben viele Texte von ihm erhalten, also die Dichte, aber auch Erzählungen.
57:06
S… Speaker 1 (Studer 1)
sein Griechisch ist so schwierig, dass nur Experten ihn übersetzen können. Er braucht sehr viele alte Ausdrücke, die man im 14. Jahrhundert eigentlich auch nicht mehr benutzt. Aber auf alle Fälle wird er eine Bibliothek gehabt haben und die wird wahrscheinlich hier oben gewesen sein.
57:32
S… Speaker 1 (Studer 1)
Auch hier muss ich kurz ausführen. Andronikus II, der Kaiser, zu dieser Zeit als Chora gegründet wurde. Er ist ein sehr guter Freund von Theodor Metohydes. Sie waren eng befreundet. Er vergibt einen Bürgerkrieg gegen seinen Enkel 1321.
57:56
S… Speaker 1 (Studer 1)
Nein, 1328, Entschuldigung. 1328 verliert er diesen Würmerkrieg und er wird abgesetzt und Antronikus muss ins Exil und er wählt als sein Ort die Chorakirche. Also der Kaiser wird hier in der Chorakirche sterben und auch Theodorometrochitis. Auch er muss beim Exil, wie gesagt, er ist der Schatzmeister.
58:25
S… Speaker 1 (Studer 1)
des Reiches und auch er muss nach der Absetzung von Andronikus II. hier ins Exil und sie verbringen also ihren Lebensabend in diesem Kloster. Viel wichtiger ist jetzt natürlich für uns die untere Etage und Sie sehen hier diese Nischen, da konnte man sicher auch Dinge stauen, also wie ein
58:54
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und vor allem konnte man hier durchlaufen, weil hier eben ein Zugang von der Prothesis bis in den Easonartex besteht. Gut, dann kommen wir nun zum Programm. Dieses Bild hier
59:14
S… Speaker 2 (Studer 1)
Hier war dieser Durchgang von der Prothesis in diesen Nord und vom Nordzugang in den Esonartex.
59:24
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und trotzdem, die wichtigste Achse ist natürlich auf der West-Ost-Achse. Jetzt haben wir aber gesagt, bei der Liturgie wird diese Achse überhaupt nicht genützt. Und das hat damit zu tun, dass eben dieser Hauptgang wurde natürlich auch benutzt, aber nicht für die Liturgie, sondern für andere.
59:52
S… Speaker 2 (Studer 1)
für andere Gelegenheiten. Aber an dieser Achse wurden die wichtigsten Bilder
1:00:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und eines davon ist hier ein Christusbild. Das Christusbild ist sehr wichtig in der byzantinischen Kunst. Man muss kein Griechisch kennen für die byzantinische Kunst, aber hier ist es trotzdem angeschrieben. Es ist einfach Christus, Chora, der Lebenden. Also auch der Name Chora ist in der Inschrift genannt.
1:00:25
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und wenn man in die Kirche hineinkommt, war das das erste Bild, das man gesehen hat. Es ist über der Tür angebracht. Das zweite Bild, das sehr wichtig ist, ist hier. Wenn man die Kirche verlässt, ist das das letzte Bild, das man sieht. Das ist eine Mutter Gottes. Und das sind die beiden Bilder, die in der byzantinischen Kunst eigentlich, also die wichtigsten sind.
1:00:47
S… Speaker 1 (Studer 1)
Hier sehen Sie, dass der Blick, wir befinden uns hier im Esonartex, also das Christusbild und das Muttergottesbild ist einander gegenübergestellt. Das haben wir gesehen. Und jetzt beginnen wir zuerst, machen wir einfach so einen Durchgang.
1:01:09
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also es wird etwa, ich denke, wir werden so um sieben fertig sein. Ich werde versuchen, weil ich könnte zu jedem Bild natürlich iconografisch auch noch viel sagen, aber es geht mir eher darum, dass wir diesen Durchgang, also dass wir mit den Bildern, also wie in einer Prozession, diesen Bildern nachgehen. Und da gehen wir zuerst in den Exonartex.
1:01:37
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das war die Türe, durch welche der Klerus in den Exonatex kommt. Und hier beginnt der Zyklus, nämlich da. Hier sehen Sie noch einmal das Christusbild. Das ist der Zyklus. Der Zyklus, der dort beginnt, ist die Kindheit Christi.
1:01:57
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dargestellt ist dort Josefs Traum und die Reise nach Bethlehem. Also es ist jetzt hier dieser Blick in den Exonatex und der Klerus kommt durch diese Tür und Sie sehen hier eine Bewegung im Bild. Daher weiß der Klerus, also man muss hier weitergehen.
1:02:18
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es gibt noch weitere Bilder, ich mache einfach nur Beispiele dazu. Hier ist dargestellt die Reise der Magier und die Reise, also die Magier vor Herodes, das sind diese beiden Bilder hier. Auch die haben die Bewegung gegen Süden.
1:02:34
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dann geht der Klerus durch den Exonartex hier weiter bis in dieses Eckkompartiment und auch an dieser Stelle
1:02:49
S… Speaker 1 (Studer 1)
gibt es eine Richtung, nur ist dieses Bild an der östlichen Seite nicht erhalten geblieben. Hier war ursprünglich eine Mutter Gottes dargestellt, die Anbetung der Magier. Hier sind nur noch einige Reste der Magier und die deuten natürlich die Richtung, ist auch gegen diese Türe und auf der anderen Seite, Sie sehen, es ist auch ein kleiner Rest.
1:03:15
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist die 32, das sind die Marken, die zurückkehren, die auch in diese Richtung deuten. Beides geht also in diese Türe.
1:03:25
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und damit ist klar, der Klerus geht durch diese Türe hinein. Und hier eben, das war das Bild in Rot, das heute fehlt. Jetzt werden die Theotokos, die mal gekommen zur Mutter Gottes. Theotokos ist einfach das griechische Wort für Mutter Gottes. Und der Klerus geht hier hinein. Das kann man anhand dieser Bilder, dieser Kindheitsgeschichte und der Bewegung dieser Bilder gut nachvollziehen.
1:03:55
S… Speaker 1 (Studer 1)
Wir haben hier noch weitere Bilder, die chronologisch in den Zyklus passen. Es ist Herodes, der den Kindermord befiehlt und hier wird der Kindermord dann auch durchgeführt. Es ist zum Teil sehr, sehr brutal gezeigt. Sie sehen hier die Ermordung dieses Kindes oder die Kinder, die den Müttern aus den Armen gerissen werden.
1:04:23
S… Speaker 1 (Studer 1)
und hier auch dieses Kind aufgespießt, also sehr brutal gezeigt. Die 35 ist dieses Bild hier und das ist die 34.
1:04:39
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und wie passt jetzt dieser Komplex, vor allem diese beiden Bilder hier, dort hinein? Weil dieser Zyklus ist außerordentlich. Das ist das einzige Mal, dass wir einen Zyklus des Kindermordes haben.
1:05:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Eine sehr seltene Szene, aber nur in Chora wird sie in einem Zyklus erzählt. Es gibt diese beiden Bilder und dann noch, wir kommen gleich dazu, noch Elisabeth, die mit Johannes flüchtet im nächsten Kompartiment. Wir haben bereits festgestellt, die Gemeinde kommt durch diese Türe hinein und sie wird hier vor diesen Bildern sich
1:05:29
S… Speaker 1 (Studer 1)
wiederfinden und es ist relativ einfach nachzuvollziehen, dass natürlich anhand der Brutalität auch hier eine Art Meditation stattfinden kann. Also man setzt sich mit diesen Bildern auseinander und die Texte deuten in diese Richtung. Also es sind Fragen, die hier gestellt werden und das Hauptanliegen des sogenannten kleinen Einzuges
1:05:56
S… Speaker 2 (Studer 1)
ist es, dass man sich auf die Liturgie vorbereitet.
1:06:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und das Programm der Chorakirche deutet in diese Richtung. Dann geht man natürlich weiter. Die weiteren zwei Bilder sind ebenfalls im Kinderzyklus des Kinderbordes zu sehen, 36 und 37. Das ist die 37. Und Sie sehen, auch hier ist eine Bewegung gezeigt, in diese Richtung. Und damit ist eigentlich klar,
1:06:28
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das ist der Weg der Gemeinde. So kommt die Gemeinde in die Kirche hinein und dann vor Christus und das ist das Bild, das wir vorhin gesehen haben.
1:06:44
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also man steht jetzt hier vor dieser Christusfigur. Das ist die Christusfigur über der Türe im Exonartex. Und die Christusfigur wird von vier Panelen flankiert. Seht, das sind die 26, 27 bis 30. Wir haben die Herodesbilder bereits besprochen. Und auf der anderen Seite gibt es zwei Bilder.
1:07:08
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und das ist Herodes auf der rechten Seite, also hier auf der südlichen Seite. Und das sind die beiden Panelen, also die beiden Blüten besser gesagt, auf der südlichen Seite, also 26 und 27. Dargestellt ist die Geburt Christi.
1:07:28
S… Speaker 1 (Studer 1)
und eine Volkszählung. Das sind die beiden Szenen, die hier dargestellt sind. Und das ist auch außerordentlich. Natürlich hat man die Geburt Christi eine Festtagsszene, also eine Szene, die im Kalender, im Festtagszyklus...
1:07:55
S… Speaker 1 (Studer 1)
eine der Hauptfeste bildet. Und dieser Szene hat man direkt neben Christus auf der rechten Seite einen besonderen Standort zugewiesen. Und eine andere Szene ist eine komplett unbekannte Szene. Die Szene gibt es nur in der Chora-Kirche. Und es ist eine Volkszählung. Aber was Sie sehen, ist ein Beamter.
1:08:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ein Beamter, der hier sein Werk ausführt. Und wir haben gehört, Theodor Metachides war auch ein Beamter, ein hoher Beamter.
1:08:31
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es sieht so aus, dass Erwin hier vor allem auch seinen Beruf in ein gutes Licht rücken wollte. Interessant ist nämlich, die beiden Szenen sind auf der rechten Seite Christi. Also wir haben Christus hier gesehen und das ist immer so in der byzantinischen Kirche. Es gibt immer rechts von Christus, das ist die gute Seite und links, das ist die schlechte Seite.
1:09:01
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also von Christus aus gesehen. Vielleicht nochmal zurück. Hier die rechte Seite und die linke Seite. Und das ist immer diese eschatologische Bestimmung, die insbesondere beim letzten Gericht bedeutsam ist. Und das heißt, das zieht sich durch. Es ist nicht nur beim letzten Gericht dann entscheidend, sondern es zieht sich eigentlich durch gesellschaftliche Bildprogramme durch.
1:09:28
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und auch hier könnte man das gut so interpretieren. Gut, jetzt hier noch einmal der Weg. Man ist dann quasi vor diesem Diptychon vor Christus. Hier wartet man, bis man dann in die Kirche hineingehen kann.
1:09:51
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und dann geht man in die Kirche. Und jetzt noch kurz zu diesem, was ich mit Rot...
1:10:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Umkreist haben, das ist ein sehr wichtiges Programm, das ist jetzt hier an der Decke. Sie sehen es hier, das Schlachten des Kalbes ist hier dargestellt, auf dieser Seite, 44. Und 45, 46 ist Kana Wunder und die Verwirrung des Brotes. Also wenn wir zu Christus in die Kirche schauen, haben wir die beiden Hauptszenen. Und die Szenen 45, 46 sind eigentlich die Nebenszenen.
1:10:29
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und 45, 46, also die Hauptszenen, sind beide Szenen, also Kana und vermehrter Brot, die eine eucharistische Konnotation haben. Das sind Szenen, die die Vorbereitung der Liturgie symbolisieren. Und wenn man also jetzt hier in der Kirche im Exonartext steht, dann schliesslich,
1:10:58
S… Speaker 1 (Studer 1)
dann weiss man, jetzt geht man hinein, um die Liturgie zu feiern. Und jetzt der Ausgang, also wenn man jetzt zurückkommt aus der Kirche, jetzt bezeichnen wir noch einmal den Weg der Gemeinde. Auch hier, wie bereits gesagt, das erste Bild, das man sieht, ist dann das Bild der Maria.
1:11:26
S… Speaker 1 (Studer 1)
Man geht hier durch, wir haben das Bild bereits gesehen, die Reise der Magier, auch sie haben eine Bewegung, darum diese blauen Pfeile. Entschuldigung, man kommt dann wieder hier vor die Türe und das Interessante ist, wenn wir jetzt vor der Türe stehen, also die 33 ist dieses Bild hier.
1:11:49
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das sind die Flucht nach Ägypten.
1:11:59
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also die heilige Familie, die hier flüchtet. Auch hier ist eine Bewegung eben zu dieser Türe hinein. Sie verstehen, wenn wir hineinkommen, also von außen in die Kirche sehen wir dieses Bild nicht. Daher ist diese Bewegung nur relevant, wenn wir wieder vor der Türe stehen. Und auf der rechten Seite gibt es dieses Detail der fallenden Idolen.
1:12:23
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diese fallenden Idole kommen in der Bibel eigentlich nicht vor, aber bezeichnen die richtige Stadt. Und hier geht man dann eben durch, um wieder in die Stadt zu gehen.
1:12:55
S… Speaker 1 (Studer 1)
verlorenen Zonen vor. Also hier hat man auch verschiedene Bibelstellen zusammengefügt, um diese Eucharistie zu symbolisieren anhand der Bilder. Jetzt hier der Weg des Klerus, Josefs Traum und die Rückkehr der Familie. Auch hier gibt es eine ganz klare Bewegung, die man nachvollziehen kann.
1:13:23
S… Speaker 2 (Studer 1)
Und das wird der Weg des Klärungs gewesen sein, wenn sie nach der Liturgie wieder aus der Kirche gegangen sind.
1:13:35
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also hier Josefs Traum, Sie sehen, es ist ein sehr detaillierter Zyklus, auch diese Szenen, insbesondere die Reise nach Jerusalem, kommt eigentlich sonst nicht vor, sondern es sind Szenen, die hier einen so großen Zyklus dann ausmachen. Und die Szenen, die wir jetzt gesehen haben,
1:14:04
S… Speaker 1 (Studer 1)
Decken, wir haben ja die Szene gesehen um 45, 46, die gehörten bereits zum öffentlichen Leben Christi. Also in diesem Exonartext gibt es zwei Zyklen, eine ist die Kindheitsgeschichte Christi, die wurde an den verschiedenen Lünetten, also an den Wänden dargestellt und an den Decken, an den Wölbungen ist die öffentliche.
1:14:30
S… Speaker 1 (Studer 1)
ist das öffentliche Leben Christi zur Darstellung gekommen. Ich werde dort nicht alle Details nennen, die sind weniger wichtig für die Prozession, also denen kann man weniger diese Bewegungen nachvollziehen, wie eben an den Szenen, mit denen man quasi mitgelaufen ist, die einem dann auch die Richtung angezeigt haben. Ich möchte hier auch nur ein Beispiel nennen, es ist Johannes der Täufer und die Versuchen Christi,
1:15:02
S… Speaker 1 (Studer 1)
Diese Szenen haben einen sehr ästhetischen Touch. Sie sind auch angebracht an dieser Wölbung. Der Stil in Hora ist außerordentlich.
1:15:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es gibt überall eine dritte Dimension, das kann man insbesondere an der Architektur natürlich sehr gut nachvollziehen. Alle Szenen haben aber auch immer diese landschaftlichen Hintergründe, die ein bisschen abstrakt wirken, also nicht nur ein bisschen, insbesondere natürlich diese Berge.
1:15:39
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und trotzdem versteht man die Szenen sehr gut. Also man versteht den Zyklus hier Johannes, der gepredigt hat und dann hier zu Christus kommt vor der Taufe. Und das Wasser hier ist auch bereits.
1:15:58
S… Speaker 1 (Studer 1)
Es ist nicht wie in anderen Kirchen, also der Zyklus ist nicht vergleichbar und Nektarios Zaras hat herausgefunden, dass dieser Zyklus des öffentlichen Lebens mit den Texten von Theodor Metochitis korrigieren. Das ist noch ein anderer Aspekt, aber für uns sind es...
1:16:19
S… Speaker 1 (Studer 1)
Ich denke, interessant, weil wir sehen, auch hier ist eine gewisse biografische Intention auch vorhanden. Aber das nur nebenbei. Kommen wir zurück. Also hier auch nochmal zurück zum Exonartex, die letzten Szenen. Das gehört eigentlich auch dazu. Diese Wölbung bei 48 ist sehr schlecht erhalten geblieben. Diese Wölbung in der Ecke.
1:16:47
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das Gewölbe im Eckraum eigentlich auch, aber man kann noch verschiedene Heilungsszenen erkennen. Christus heilt verschiedene blindgeborene Paralytiker und so weiter, sodass die Forschung auch angenommen hat.
1:17:09
S… Speaker 1 (Studer 1)
dass in der Chorakirche wahrscheinlich auch ein Spital vorhanden war. Viele der mittelalterlichen Klöster, also nicht in der Kirche, Klöster, haben ein Spital unterhalten, wo sie eben auch Kranke aufgenommen haben. Aber Zaras hat diese These aufgestellt.
1:17:34
S… Speaker 1 (Studer 1)
dass diese vielen Heilungsszenen in diese Richtung zu deuten sind. Und jetzt sind wir in einem Kompartiment, das wir bis jetzt eigentlich komplett ausgelassen haben. Das ist dieses hier um die 5, also mit dieser Kuppel. Sie wissen, so ging ein Weg, der andere Weg so. Und dieses wurde eigentlich immer umgangen.
1:18:02
S… Speaker 1 (Studer 1)
Dieses Kompartiment hat eine Kuppel. In der Kuppel ist Christus dargestellt. Er wird frankiert in den einzelnen Abteilungen von Propheten, also von seinen Vorfahren.
1:18:20
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und auch hier in den Zwickern, in den Bonantiefen, sind jeweils verschiedene Heilungsszenen dargestellt. Auch hier wurde eben diese These aufgestellt, dass diese Heilung insbesondere auf die Hoffnung auf Heilung, natürlich über jeden, jeder Gläubige, jede Gläubige, die in die Kirche kommt, eben sich hier mit dieser Heilung identifizieren konnte.
1:18:49
S… Speaker 1 (Studer 1)
Besonders auffallend ist diese Frau, diese Hämorrhoissa, die Blut, die hier den Mantel Christi berührt. Und Sie sehen, sie ist hier dargestellt in einer tiefen Verbeugung. Und hier unten ist noch ein anderer Darsteller, ich komme gleich darauf, aber da gibt es wie eine Parallele.
1:19:17
S… Speaker 1 (Studer 1)
Und das Hauptbild, das ist dieses Bild hier, das ist, wenn wir nochmal zurückgehen, das ist hier die Nummer 4. Sie sehen es auch hier, also wenn man hier durchgeht, passiert man dieses riesige Bild. Und da ist eine Deesis dargestellt. Eine Deesis ist ein Gebet.
1:19:37
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die Mutter Gottes und eigentlich auch Johannes der Täufer, der fehlt aber hier, sind als Interzessoren bei Christus dargestellt. Sie bitten für das Heil der Menschen. Und in diesem Gebet sind zwei Figuren eingefügt, einerseits diese Nonne.
1:20:00
S… Speaker 1 (Studer 1)
Sie heisst Melania, wir wissen es wegen der Inschrift. Und es ist auch eine Stifterin im 13. Jahrhundert, die sich hervorgetan hat. Sie hat Objekte und sogar ein Manuskript der Chorkirche.
1:20:17
S… Speaker 1 (Studer 1)
Gestiftet, das wissen wir aus anderen Texten. Und hier ist Isaac Comenos dargestellt. Den haben wir bereits kennengelernt. Das sind Bilder aus dem beginnenden 14. Jahrhundert. Und hier werden die älteren Stifter dargestellt. Und der neue Stifter, der ist hier. Und Sie sehen, wie wenn man sich die einzelnen Bilder nicht ansieht, sondern auch ein bisschen...
1:20:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Also auch den Traum berücksichtigt, wie sich das zu einem Ganzen zusammenfügt, weil der neue Stifter hat sich jetzt in der Tradition der alten Stifter eingefügt. Gut, jetzt komme ich zum grossen Einzug, der kleine Einzug, eben wie gesagt, wie komme ich in die Kirche. Der grosse Einzug wird nur von einer Brücke, also durchgeführt, nur von Klerus.
1:21:15
S… Speaker 1 (Studer 1)
Die Gemeinde, die ist im Naos, nachdem man hier durchgekommen ist, wird bei dem Naos an der Liturgie teilnehmen. Es gibt verschiedene Texte zum grossen Einzug. Was passiert beim grossen Einzug?
1:21:32
S… Speaker 2 (Studer 1)
Vom Bema geht der Klerus, insbesondere der Priester und die Diakone, in die Prothesis. Dort holt man das Brot, das man bereits vorbereitet hat. Also es ist konsequiertes Brot bereits.
1:21:50
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das wird dort geholt, also der Klerus verschwindet quasi. Man sieht ihn nicht mehr. Der Klerus geht hier durch. Die Gemeinde weiß nicht, was passiert. Und der Klerus geht durch den Esonartext und kommt dann durch diese Haupttüre zurück in den Naus. Es ist eine Art Epiphanie und der Klerus wird dann mit dem Brot und dem Wein
1:22:18
S… Speaker 1 (Studer 1)
in den Naus kommen und dieses Brot dieser Wein in den Altar bringen. Und das ist der Klimax der byzantinischen Liturgie. Diese Prozession gibt es bis heute. Also die byzantinische Liturgie wird um das Jahr 1000, also nach dem Ikonoklasmus, gefestigt. Sie beendet sich natürlich immer wieder. Aber die heutige, vor allem die griechische Liturgie, ist...
1:22:45
S… Speaker 1 (Studer 1)
Das fußt immer noch auf der byzantinischen Liturgie. Das sind die Texte, aber die gehen wir natürlich dicht ein. Und jetzt zeichnen wir diesen Weg auch noch einmal an den Bildern nach. Also hier haben wir jetzt diesen Esonartext. Und der Zyklus, der hier dargestellt ist, ist das Leben der Maria. Also die Mutter Gottes, ihr Leben.

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Resum
Byzantium, or Byzanz, refers to the Eastern Roman Empire, which existed from 330 to 1453. It was founded by Emperor Constantine the Great in 330, on the site of the former Greek city of Byzantium, and later renamed Constantinople. The city was strategically located on the Black Sea, and was initially called Constantinople. The term "Byzantines" comes from the Greek city where the empire was founded, and the city was also called Byzantium. The city was also known as Constantinople.
Summaring...
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